Was regelt die EU-Trinkwasserrichtlinie?
Die Richtlinie (EU) 2020/2184 ist die Neufassung der EU-Trinkwasserrichtlinie (ersetzt 98/83/EG) und regelt die Qualitätsanforderungen an Wasser für den menschlichen Gebrauch in der EU.
Als EU-Richtlinie gilt sie nicht unmittelbar, sondern muss von den Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt werden. In Deutschland erfolgte die Umsetzung durch die überarbeitete Trinkwasserverordnung (TrinkwV).
Für Dichtungen besonders relevant: Artikel 11 und Anhang IV — Anforderungen an Materialien und Werkstoffe, die mit Wasser für den menschlichen Gebrauch in Berührung kommen. Die Richtlinie sieht eine harmonisierte EU-weite Positivliste für Werkstoffe vor. Ziel ist eine schrittweise Harmonisierung der bisher national geregelten Werkstoffanforderungen.
Harmonisierte EU-Werkstoffliste — aktueller Stand
Die harmonisierte EU-Positivliste wird schrittweise entwickelt. Der Prozess wird von der Europäischen Kommission in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten und der ECHA durchgeführt.
| Werkstoffgruppe | Status (Stand Juli 2026) |
|---|---|
| Metallische Werkstoffe | Harmonisierte Bewertungsgrundlagen werden schrittweise eingeführt |
| Zementhaltige Werkstoffe | Übergangsregelungen; nationale Anforderungen gelten teilweise weiter |
| Organische Werkstoffe (Kunststoffe, Elastomere) | Übergangsregelungen — nationale Anforderungen (KTW/BWGL, ACS) gelten übergangsweise weiter |
| Emaillierte und keramische Werkstoffe | Übergangsregelungen |
Bis zur vollständigen Harmonisierung gelten nationale Regelungen. In Deutschland sind die Anforderungen der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) sowie die jeweiligen Bewertungsgrundlagen (BWGL) des Umweltbundesamtes für Materialien im Kontakt mit Trinkwasser maßgeblich.
Relevanz für Dichtungen in Trinkwasserinstallationen
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O-Ringe und Formdichtungen
Elastomerdichtungen in Trinkwasserarmaturen, Wasserzählern und Rohrverschraubungen müssen aus zugelassenen Werkstoffen bestehen — KTW-geprüfte Compounds in Deutschland üblich.
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Relevante Elastomere
Für Trinkwasserkontakt werden häufig EPDM-, NBR- oder andere Elastomer-Compounds eingesetzt, die je nach Anwendung Anforderungen der KTW-Bewertungsgrundlage (BWGL) und/oder DVGW W 270 erfüllen.
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BPA und Schwermetalle
Im europäischen Trinkwasserrecht spielen auch Stoffe wie Bisphenol A im Rahmen der Werkstoffbewertung und hygienischen Anforderungen eine Rolle.
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Prüfnachweise
KTW-Prüfberichte, WRAS-Zertifikate oder vergleichbare nationale Nachweise sind für Trinkwasser-Anwendungen typischerweise erforderlich — je nach Zielland und Anwendungsbereich. Auf Anfrage für verfügbare Compounds koordinierbar.
Abgrenzung zu verwandten Regelwerken
- Trinkwasserrichtlinie vs. REACH: Die Trinkwasserrichtlinie enthält spezifische Qualitätsanforderungen für Wasserkontakt; REACH regelt Stoffe und SVHCs generell.
- Trinkwasserrichtlinie vs. EU 10/2011: 10/2011 gilt für Lebensmittelkontakt-Kunststoffe allgemein; die Trinkwasserrichtlinie hat einen eigenen Fokus auf Trinkwasserinstallationen.
- Trinkwasserrichtlinie vs. BPA: Das Trinkwasserrecht und die chemikalienrechtliche Bewertung von Stoffen (z. B. durch REACH und ECHA) ergänzen sich, verfolgen jedoch unterschiedliche Regelungsziele.
Häufige Fragen zur EU-Trinkwasserrichtlinie
Was ist der Unterschied zwischen KTW und WRAS?
KTW bzw. die Bewertungsgrundlagen (BWGL) des UBA sind die deutschen Anforderungen für organische Werkstoffe im Trinkwasserkontakt. WRAS (Water Regulations Advisory Scheme) ist das britische Pendant. Beide prüfen Werkstoffe auf Eignung für Trinkwasserkontakt — aber nach unterschiedlichen Methoden und sind nicht gegenseitig austauschbar.
Gilt jetzt schon die harmonisierte EU-Liste?
Noch nicht vollständig. Die harmonisierte Liste wird schrittweise entwickelt. Bis zur endgültigen Anwendung gelten die nationalen Regelungen der Mitgliedstaaten weiter.
Sind KTW und DVGW W 270 dasselbe?
Nein. Die KTW-Bewertungsgrundlage (BWGL) bewertet die hygienische Eignung organischer Materialien hinsichtlich möglicher Stoffabgaben. DVGW W 270 untersucht dagegen das Wachstum von Mikroorganismen auf Werkstoffen. Für viele Trinkwasseranwendungen werden beide Nachweise gemeinsam verlangt.
Reicht eine WRAS-Zulassung auch für Deutschland?
Nein. WRAS ist ein britisches Konformitätsprogramm. Für Anwendungen in Deutschland gelten die Anforderungen der Trinkwasserverordnung sowie die jeweils einschlägigen Bewertungsgrundlagen und Nachweise.
