NORMEN

ISO 10993 – Biokompatibilitätsprüfung für Dichtungswerkstoffe

Parker O-Ringe als Symbolbild für biokompatible Dichtungswerkstoffe nach ISO 10993.

ISO 10993 definiert, wie Werkstoffe in Kontakt mit dem menschlichen Körper auf Biokompatibilität geprüft werden. Für Dichtungen in Medizinprodukten und Pharmaanlagen ist die Norm oft Pflichtnachweis.

Aktualisiert 10. Juli 2026
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Was ist ISO 10993?

ISO 10993 ist eine Normenfamilie zur Biologischen Beurteilung von Medizinprodukten. Sie wurde von der ISO entwickelt und legt fest, wie Werkstoffe, die in Kontakt mit dem menschlichen Körper kommen, auf ihre Biokompatibilität getestet und bewertet werden müssen.

Die Norm gilt für alle Materialien, die — direkt oder indirekt, kurzzeitig oder dauerhaft — mit Körpergewebe, Blut oder Schleimhäuten in Kontakt treten. Das umfasst neben Implantaten und Schläuchen auch Dichtungswerkstoffe in medizintechnischen Geräten und Abfüllanlagen.

Die wichtigsten Teile der ISO 10993-Normenfamilie:

  • ISO 10993-1 — Beurteilung und Prüfung im Rahmen eines Risikomanagementsystems (Grundlagenteil)
  • ISO 10993-5 — Zytotoxizitätstests (Zellverträglichkeit)
  • ISO 10993-10 — Tests auf Sensibilisierungspotenzial (Hautverträglichkeit)
  • ISO 10993-11 — Tests auf systemische Toxizität
  • ISO 10993-12 — Probenvorbereitung und Referenzmaterialien
  • ISO 10993-17 — Risikobewertung chemischer Auswaschungen
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Bedeutung für Kunden in der Medizintechnik und Pharma

In der Medizintechnik und in Reinraumanwendungen mit Produktkontakt ist ISO 10993 häufig Pflichtnachweis — nicht nur aus regulatorischen Gründen, sondern weil der Nachweis der Werkstoffverträglichkeit mit dem menschlichen Körper oder mit pharmazeutischen Produkten unmittelbar sicherheitsrelevant ist.

Anwendung
Relevanz von ISO 10993
Medizinische Geräte und Instrumente

Werkstoffe im Patientenkontakt müssen nach ISO 10993 bewertet sein — oft EU-MDR-Pflicht

Implantierbare Komponenten
Strenge Dauertest-Protokolle nach ISO 10993-6 und -11 erforderlich
Pharmabefüllung und Bioreaktoren

Je nach Anwendung werden ISO 10993, USP Class VI oder weitere Werkstoffnachweise gefordert

Diagnostik und Laborgeräte
Je nach Kontaktprofil teilweise relevante Tests erforderlich

Was HP-Dichtungen im Rahmen von ISO 10993 unterstützt

HP-Dichtungen ist kein Prüflabor und stellt selbst keine ISO-10993-Zertifikate aus. Wir arbeiten mit Compoundherstellern — insbesondere Parker Hannifin — zusammen, deren Werkstoffe auf Biokompatibilität geprüft wurden.

  • Biokompatible Compounds aus dem Parker-Programm

    Parker bietet Werkstoffe an, die nach ISO 10993 getestet wurden — für Medizintechnik, Pharma und Reinraumanwendungen.

  • Nachweise auf Anfrage

    Compoundbezogene Prüfberichte und Konformitätserklärungen nach ISO 10993 können projektbezogen bereitgestellt werden.

  • Technische Beratung zur Compoundwahl

    Wir helfen bei der Auswahl des geeigneten Werkstoffs — unter Berücksichtigung von Kontaktprofil, Reinigungsregimen und regulatorischen Anforderungen.

  • Kombination mit weiteren Nachweisen

    ISO 10993 wird häufig zusammen mit USP Class VI, FDA 21 CFR oder EU-GMP-Anforderungen gefordert — wir koordinieren die benötigten Dokumente.

Für welche Produkte ist ISO 10993 relevant?

ISO 10993 ist relevant, wenn Dichtungswerkstoffe in direktem oder indirektem Kontakt mit dem menschlichen Körper oder mit pharmazeutischen Produkten stehen:

  • Sonderdichtungen für Medizingeräte und Implantate
  • Gummiformteile in medizintechnischen Baugruppen
  • O-Ringe in Abfüllanlagen, Bioreaktoren und Reinräumen
  • Flachdichtungen in produktberührenden Flanschverbindungen
  • O-Ringe in medizintechnischen Geräten
  • Dichtungen in Bioreaktoren
  • Dichtungen in Abfüllsystemen
  • Produktberührende Elastomere

Vorteile biokompatibel geprüfter Werkstoffe

  • Regulatorische Sicherheit: Geprüfte Werkstoffe erleichtern die Produktzulassung nach EU-MDR, EU-IVDR oder FDA 510(k) und können den Aufwand im Zulassungsprozess reduzieren.
  • Validierungseffizienz: Dokumentierte Biokompatibilität verkürzt den Validierungsaufwand in GMP-regulierten Produktionsumgebungen.
  • Risikominimierung: Werkstoffbedingte Kontaminationsrisiken werden systematisch bewertet und beherrschbar gemacht.
  • Lieferkettendokumentation: Compoundzertifikate können in die technische Akte des Medizinprodukts übernommen werden.

Häufige Fragen zu ISO 10993

Müssen alle Dichtungswerkstoffe in Medizinprodukten nach ISO 10993 geprüft sein?

Nicht zwingend. Die Norm sieht eine risikobasierte Bewertung vor. Je nach Kontaktprofil (kein Kontakt, kurzzeitiger Kontakt, dauerhafter Kontakt) und Kontaktart (Haut, Blut, Implantation) sind unterschiedliche Tests erforderlich. ISO 10993-1 definiert den Entscheidungsrahmen.

Was ist der Unterschied zwischen ISO 10993 und USP Class VI?

ISO 10993 ist die internationale Norm für die Biokompatibilitätsbewertung von Medizinprodukten — sie deckt ein breites Testspektrum ab. USP Class VI ist ein US-amerikanischer Pharmakopoe-Test speziell für Kunststoffe in der pharmazeutischen Verpackung und Prozesstechnik. Beide können parallel gefordert werden.

Stellt HP-Dichtungen eigene ISO-10993-Prüfberichte aus?

Nein. Die Prüfberichte stammen vom Compoundhersteller (z. B. Parker Hannifin). HP-Dichtungen koordiniert die Bereitstellung compoundbezogener Nachweise auf Anfrage.

Welche Werkstoffe sind typischerweise nach ISO 10993 geprüft?

Gebräuchliche biokompatible Dichtungswerkstoffe sind bestimmte EPDM-, FKM-, VMQ- und PTFE-Compounds aus Medizintechnik-Programmen der Hersteller. Die Verfügbarkeit eines ISO-10993-Nachweises muss compoundspezifisch abgefragt werden. Die Prüfung erfolgt stets compoundbezogen und nicht allein für den Grundwerkstoff.

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Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen technischen Information und stellt keine verbindliche Auslegung der genannten Normen oder Standards dar. Verbindlich sind ausschließlich die jeweils gültigen Originalfassungen der entsprechenden Normen sowie die Anforderungen des jeweiligen Anwendungsfalls. Für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte wird keine Haftung übernommen.